Bleichtest bestanden!

Vor vier Wochen habe ich einen Bleichtest mit all der naturgefärbten Wolle aus dem letzten Jahr begonnen.
Nach einer Woche Berliner Sonne – mehr oder weniger – und zwei Wochen intensivste Spanische Sonne ist erst in den letzten Tagen etwas Farbbrillianz verloren gegangen. Aber wer möchte schon 12 Stunden am Tag unter mehr als 30 Grad Sonne liegen. Das macht auch Euer synthetischer Wollpullover nicht mit!
[Schatten links je Karte, Sonne rechts je Karte]

Trügerisches Gelb

Forsythia

Die gelben Blüten der Forsythia überstrahlen gerade alles in den Vorgärten der Reihenhaussiedlungen, doch sie sind ökologisch wertlos. Die Blüten des hybriden Zierstrauches aus Asien produzieren keinen Nektar und fallen somit als notwendige Nahrungsquelle für Insekten aus. Natur sollte nicht mit den Augen des Menschen betrachtet werden, denn er hat sich leider zu sehr von der Natur entfernt. Natur mit den Augen der Natur betrachten.
Ein zartes Gelb hinterlassen die Blüten immerhin auf Wolle, Seide und Baumwolle.

Bin ich auf’m Sonnendeck

Die Sonne kommt raus und ich starte mal einen Bleichtest mit all den gefärbten Wollgarnen der letzten Zeit.
Interessant ist das Gelb, ganz rechts ist die Wolle gefärbt mit Wild- und Heilpflanzen, in der Mitte dagegen mit traditionellen Färberpflanzen.
Hier sieht man eindeutig sieht die strahlende Kraft der Färberpflanzen gegenüber den Wildpflanzen.

Der Waid blüht bereits!

Der Waid (Isatis tinctoria), Deutscher Indigo, steht trotz sibirischer Kälte in Berlin in unserem Färberpflanzenbeet im Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor fast in der Blüte! Gefärbt wird allerdings mit den Blättern vor der Blüte.
Waid ist eine der historischen Nutzpflanzen, die vor Jahrhunderten quasi als erste Monokulturen im deutschen Raum angebaut wurden. Waid ist leider mit der Entdeckung des indischen Indigos und der synthetischen Farben weithin in Vergessenheit geraten.

Granatapfel – Dunkles Paradies

Natur kann auch dunkel und grausam sein. Wolle, Seide und Baumwolle, vorgebeizt mit Alaun, gefärbt mit getrockneten Schalen des Granatapfels (Punica Granatum).
Die dunkle Farbe kommt durch die Nachbeize mit Eisensulfat.
Der Granatapfelbaum ist ein Symbol des Paradieses, der Fruchtbarkeit und Liebe.

Alkanna – frozen feelings

frozen feelings on february …
Wolle, Seide und Baumwolle, vorgebeizt mit Alaun, gefärbt mit der Wurzel von Alkanna tinctoria auch Schminkwurz, Alkannawurzel oder Ochsenzunge genannt.
Dies ist eine einfache Färbung ohne Alkohol, bei der die Farbkraft der Alkannawurzel nur schwach zum Vorschein kommt, nicht wie bei der Färbung mit Alkohol.
Alkanna wurde im Altertum zum Färben von Schminke, Ölen, Alkohol und vieles mehr verwendet. Auch als Holzfärbemittel zur Imitation von Mahagoni und Rosenholz.

Färberpflanze mit Migrationshintergrund

Farbe, statt nass, kalt und grau: Wolle, Seide und Baumwolle gefärbt mit Goldrute (Solidago).
Heilpflanze, Neophyt – quasi eine Färberpflanze mit Migrationshintergrund – und Nationalblume von Kentucky und Nebraska. Die Indianer Nordamerikas nutzten die wunderbare goldene Wildpflanze bereits als Färberpflanze.

Schäfchen zählen auf dem Feld!

Eins, zwei, drei… eine Woche lang  Schäfchen zählen auf dem Tempelhofer Feld! Dank Niels Rickert vom Allmende-Kontor grasten im Oktober 100 Schafe des Landsberger Schäfers Kucznik auf dem Tempelhofer Feld.
„Gebt mir ein bisschen Tempelhofer Feld ab. Es ist doch genug da für uns alle da“, ruft der verrückte Schäfer Kucznik bei der Ankunft.
Die Aufregung war bei den Besuchern größer als wie bei den Schafen. Was für eine Woche, naturnahe Beweidung für Berlin und überall.