Ein Farbkreis zum Fühlen

Funktioniert der Farbkreis auch für Naturfarben?!
Naturfarben sind anders, ganzheitlich und zusammenhängend. Niemals einzeln isoliert, sondern zusammengesetzt aus Farbstoffgemischen. Farben dominieren, andere Farben sind rar, andere fehlen ganz. Dieser Farbkreis scheint mir exemplarisch für das natürliche Färben von Wolle.

„Durchgängig und überall ist das echte Symbol der Natur der Kreis, weil er das Schema der Wiederkehr ist: diese ist in der Tat die allgemeinste Form der Natur, welche sie in Allem durchführt, vom Laufe der Gestirne an, bis zum Tod und der Entstehung organischer Wesen, und wodurch allein in dem rastlosen Strom der Zeit und ihres Inhalts doch ein bestehendes Dasein, d. i. eine Natur, möglich wird.“ Arthur Schopenhauer

Pflanzentinten und Malmittel

Die Suche nach dem Schwarz geht weiter in den Italienischen Marken mit der Werkakademie Leipzig und dem Herstellen von Pflanzentinten und Malmitteln. Back again in einer der bezaubernsten Gegenden mit wunderbaren Menschen und nächtlichen Lichterketten, den Glühwürmchen-Tänzen.
Danke an Maria H. für dieses schöne Fotomotiv. P.s. Bananenschalen nicht mehr wegwerfen!

Schwarz, das älteste Pigment

Beim Malen mit Naturfarben kommt man unweigerlich zum Anfang der Menschheitsgeschichte und damit zu den ältesten Kunstwerken, den beeindruckenden Höhlenmalereien von Lascaux. Unvergesslich von Werner Herzog in dem Dokumentarfilm  „Die Höhle der vergessenen Träume“ inszeniert.
Das Schwarz der Holzkohle ist das älteste Zeichenpigment.
Zeichenkohle selbst hergestellt aus Weidenästen im Lagerfeuer.

Trügerisches Gelb

Forsythia

Die gelben Blüten der Forsythia überstrahlen gerade alles in den Vorgärten der Reihenhaussiedlungen, doch sie sind ökologisch wertlos. Die Blüten des hybriden Zierstrauches aus Asien produzieren keinen Nektar und fallen somit als notwendige Nahrungsquelle für Insekten aus. Natur sollte nicht mit den Augen des Menschen betrachtet werden, denn er hat sich leider zu sehr von der Natur entfernt. Natur mit den Augen der Natur betrachten.
Ein zartes Gelb hinterlassen die Blüten immerhin auf Wolle, Seide und Baumwolle.

Granatapfel – Dunkles Paradies

Natur kann auch dunkel und grausam sein. Wolle, Seide und Baumwolle, vorgebeizt mit Alaun, gefärbt mit getrockneten Schalen des Granatapfels (Punica Granatum).
Die dunkle Farbe kommt durch die Nachbeize mit Eisensulfat.
Der Granatapfelbaum ist ein Symbol des Paradieses, der Fruchtbarkeit und Liebe.

Alkanna – frozen feelings

frozen feelings on february …
Wolle, Seide und Baumwolle, vorgebeizt mit Alaun, gefärbt mit der Wurzel von Alkanna tinctoria auch Schminkwurz, Alkannawurzel oder Ochsenzunge genannt.
Dies ist eine einfache Färbung ohne Alkohol, bei der die Farbkraft der Alkannawurzel nur schwach zum Vorschein kommt, nicht wie bei der Färbung mit Alkohol.
Alkanna wurde im Altertum zum Färben von Schminke, Ölen, Alkohol und vieles mehr verwendet. Auch als Holzfärbemittel zur Imitation von Mahagoni und Rosenholz.

Färberpflanze mit Migrationshintergrund

Farbe, statt nass, kalt und grau: Wolle, Seide und Baumwolle gefärbt mit Goldrute (Solidago).
Heilpflanze, Neophyt – quasi eine Färberpflanze mit Migrationshintergrund – und Nationalblume von Kentucky und Nebraska. Die Indianer Nordamerikas nutzten die wunderbare goldene Wildpflanze bereits als Färberpflanze.