Mohn – rot, röter, am rötesten

rot, röter, am rötesten…doch Anthocyan, der rote Farbstoff wie er in den Blütenblättern des Klatschmohns (Papaver rhoeas) vorkommt, ist leider nicht so farbintensiv auf Textil wie ihn die Natur zaubert. Nur für einen kurzen Moment sollen wir uns daran erfreuen. Viel zu fragil und empfindlich sind die vier Kronblätter gegenüber Wind und Berührung, so dass sie nur zwei, drei Tage blühen. Abstinenz bewirkt Bewunderung. Für diese kurze Dauer produziert jede Blüte deshalb auch 2,5 Millionen winzig kleine Pollenkörner und ist damit Spitzenreiter. Zusammen mit den späteren Mohnkapseln ein Wunderwerk für die Ewigkeit. Natur mit anderen Augen sehen.

Wiege der Wasservögel

Irgendwie stimmt das Wetter herbstlich, erinnert an zausenden Wind und raschelndes Schilf am Ufer.
Schilfrohr (Phragmites australis), Naturbaustoff und Wiege der Wasservögel, diente als Rohrfeder nicht nur bis ins 6. Jahrhundert als allgemeines Schreibgerät, sondern birgt in seinen unscheinbaren Blüten ein sattes Gelb auf Wolle und Seide. Natur mit anderen Augen sehen.

Bleichtest bestanden!

Vor vier Wochen habe ich einen Bleichtest mit all der naturgefärbten Wolle aus dem letzten Jahr begonnen.
Nach einer Woche Berliner Sonne – mehr oder weniger – und zwei Wochen intensivste Spanische Sonne ist erst in den letzten Tagen etwas Farbbrillianz verloren gegangen. Aber wer möchte schon 12 Stunden am Tag unter mehr als 30 Grad Sonne liegen. Das macht auch Euer synthetischer Wollpullover nicht mit!
[Schatten links je Karte, Sonne rechts je Karte]

Trügerisches Gelb

Forsythia

Die gelben Blüten der Forsythia überstrahlen gerade alles in den Vorgärten der Reihenhaussiedlungen, doch sie sind ökologisch wertlos. Die Blüten des hybriden Zierstrauches aus Asien produzieren keinen Nektar und fallen somit als notwendige Nahrungsquelle für Insekten aus. Natur sollte nicht mit den Augen des Menschen betrachtet werden, denn er hat sich leider zu sehr von der Natur entfernt. Natur mit den Augen der Natur betrachten.
Ein zartes Gelb hinterlassen die Blüten immerhin auf Wolle, Seide und Baumwolle.

Bin ich auf’m Sonnendeck

Die Sonne kommt raus und ich starte mal einen Bleichtest mit all den gefärbten Wollgarnen der letzten Zeit.
Interessant ist das Gelb, ganz rechts ist die Wolle gefärbt mit Wild- und Heilpflanzen, in der Mitte dagegen mit traditionellen Färberpflanzen.
Hier sieht man eindeutig sieht die strahlende Kraft der Färberpflanzen gegenüber den Wildpflanzen.

Granatapfel – Dunkles Paradies

Natur kann auch dunkel und grausam sein. Wolle, Seide und Baumwolle, vorgebeizt mit Alaun, gefärbt mit getrockneten Schalen des Granatapfels (Punica Granatum).
Die dunkle Farbe kommt durch die Nachbeize mit Eisensulfat.
Der Granatapfelbaum ist ein Symbol des Paradieses, der Fruchtbarkeit und Liebe.

Alkanna – frozen feelings

frozen feelings on february …
Wolle, Seide und Baumwolle, vorgebeizt mit Alaun, gefärbt mit der Wurzel von Alkanna tinctoria auch Schminkwurz, Alkannawurzel oder Ochsenzunge genannt.
Dies ist eine einfache Färbung ohne Alkohol, bei der die Farbkraft der Alkannawurzel nur schwach zum Vorschein kommt, nicht wie bei der Färbung mit Alkohol.
Alkanna wurde im Altertum zum Färben von Schminke, Ölen, Alkohol und vieles mehr verwendet. Auch als Holzfärbemittel zur Imitation von Mahagoni und Rosenholz.

Färberpflanze mit Migrationshintergrund

Farbe, statt nass, kalt und grau: Wolle, Seide und Baumwolle gefärbt mit Goldrute (Solidago).
Heilpflanze, Neophyt – quasi eine Färberpflanze mit Migrationshintergrund – und Nationalblume von Kentucky und Nebraska. Die Indianer Nordamerikas nutzten die wunderbare goldene Wildpflanze bereits als Färberpflanze.